Landesbüro NRW in Israel rettet deutsch-israelisches Kulturerbe

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Gespeichert von Robin Teller am 13. Januar 2021

Das Landesbüro Büro des Landes Nordrhein-Westfalen in Israel rettet einmaliges deutsch-israelisches Kulturerbe

Deutsch-Israelisches Kooperationsprojekt

Um die einzigartigen Wandmalereien des deutsche Malers Emil Ritz zu erhalten und um die bilateralen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und Israel zu stärken, hat das Landesbüro NRW in Israel ein Rettungsprojekt initiiert. Emil Ritz hatte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Kloster Beit Jamal zwischen Jerusalem und Tel Aviv Werke von weltweit kunstgeschichtlicher Bedeutung geschaffen.

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Die Wandmalereien von Emil Ritz

 

Der deutsche Maler Emil Ritz (geb. 1900 in Düren-Birkesdorf) lebte von 1930 bis 1958 im Mandatsgebiet Palästina und später im Staate Israel. In dieser Zeit schuf er im Kloster Beit Jamal, zwischen Jerusalem und Tel Aviv, einzigartige Wandmalereien, die laut der israelischen Forscherin und Kuratorin Dr. Nirit Shalev-Khalifa zu den bedeutendsten Kunstwerken dieses Genres im Land, ja im gesamten Nahen Osten gehören. Seine Sgraffito Bilder und gemalten Mosaike sind laut Dr. Shalev-Khalifa vielleicht sogar Unikate von weltweit kunstgeschichtlicher Bedeutung.
 
Auch für die Kunstgeschichte Nordrhein-Westfalens spielen diese Werke eine besondere Rolle. In Ritz’ Figuren, ihrer Darstellung, ihren Volumina und Formen finden die Einflüsse des deutschen Expressionismus des 20. Jahrhunderts ihren Niederschlag – und das just zu einer Zeit, in der diese Kunstform im von den Nationalsozialisten beherrschten Deutschland als entartete Kunst verboten war. Sie sind also zugleich Beispiel deutschen Expressionismus im Palästina der Mandatszeit, und Ausdruck moderner christlicher Malerei im Heiligen Land. So spiegeln sie eine einzigartige Verbindung zwischen Nordrhein-Westfalen und Israel wider.
 
Ritz zeichnet sich durch die Verbindung vieler Stile und einen Reichtum der angewandten Techniken aus: Fresko, Relief und Gravur; andernorts malte er. Die meisten seiner Arbeiten entstanden jedoch in einer von ihm entwickelten, besonderen mosaikartigen Maltechnik.

Projekt zur Erhaltung der Wandmalerein

 

Rund 90 Jahre nach ihrer Entstehung ist zu befürchten, dass die Wandgemälde unwiderruflichen Schaden nehmen könnten. Teile von ihnen sind akut bedroht. Um dieses einzigartige Kunstwerk zu erhalten, und um die bilateralen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und Israel zu stärken, hat das Landesbüro Israel ein Projekt zur Rettung der Wandmalereien initiiert.
 
Dazu arbeitet das Landesbüro Israel mit dem israelischen Künstler Schai Farkasch zusammen. Farkasch gilt als Israels bekanntester Experte für den Erhalt und die Restaurierung von Wandgemälden und ist wie kein anderer für die Ausführung der Arbeiten in Beit Jamal geeignet.

Bei seiner Arbeit wird Herr Farkasch von Professor Adrian Heritage der TH Köln unterstützt, der die Rettungsarbeiten beratend begleitet. Dabei stellt er die besonderen Fähigkeiten seiner Labore in Köln zu Verfügung. Zudem werden Studierende der TH Köln in das Projekt mit eingebunden.

Heutiger Zustand

 

Ritz' rund 20 komplexe Kompositionen, die aus Fresken, mosaikartigen Gemälden und Sgraffitos bestehen, befinden sich heute teilweise in einem bedrohlich schlechten Zustand und müssen dringend fachgerecht restauriert werden.

Emil Ritz und Beit Jamal

Einzigartige deutsche Kunst im Heiligen Land

Palästina zur Zeit des britischen Mandats (1917-1948) spielte für die Entwicklung moderner Kunst eine besondere Rolle.
 
Das architektonische Erbe der Moderne wurde durch die Emigration deutscher Juden ins Heilige Land gebracht und fortentwickelt. Tel Aviv wurde so zu einem UNESCO Weltkulturerbe mit bedeutenden deutschen Einflüssen. Anlässlich des 100. Jubiläums des Bauhaus im Jahr 2019 wurde darüber in Medien ausführlich berichtet.
 
Im Palästina des britischen Mandats reifte aber noch eine weitere Kunstform zu neuer Blüte. Vier Jahrhunderte lang lang konnte sich christliche Kunst im Heiligen Land nicht frei entfalten. Christliche Kunstwerke in Palästina waren fast allesamt importiert, und deshalb zumeist bar jeden Bezugs zu lokalen Traditionen.
 
Der Sieg der Briten im Ersten Weltkrieg beendete diesen Zustand und öffnete christlich inspiriertem Schaffensdrang die Tore. Es folgte eine Blüte christlicher Kunst im Heiligen Land.
 
Laut der israelischen Kuratorin Dr. Nirith Naveh-Khalifa verfügt diese Kunst über eine „einzigartige künstlerische Qualität“. Sie betrachtet sie als „Teil der lokalen visuellen Kultur, da sie Ideen und Konzepte widerspiegelt, die von den christlichen Gemeinden im Heiligen Land entwickelt wurden.“
 
Einer ihrer bedeutendsten Vertreter ist offenbar Emil Ritz, ein bislang weitgehend unbekannter Kölner Künstler. Just in einer Zeit, in der in Deutschland der Expressionismus von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ verboten wurde, entwickelte Ritz den deutschen Expressionismus in Palästina in einzigartiger Form und mit einzigartigen Techniken fort.
 
Hinter den Gemäuern Beit Jamals (ausgesprochen Beyt Dschamal oder Beyt Dschimmal), einem abgelegenen Kloster zwischen Tel Aviv und Jerusalem, schuf er einige der wichtigsten Kunstwerke dieses Genres.
 
So wie die „Weiße Stadt“ Tel Avivs als Fortentwicklung des Bauhaus inzwischen als ein Kulturerbe erachtet wird, das Deutschland und Israel miteinander verbindet, handelt es sich auch bei Emil Ritz' Oeuvre um Werke, die – obschon bislang fast unbekannt – für die Kunstgeschichte Deutschlands und Israels gleichermaßen von Bedeutung sind.
 

Emil Ritz

Emil Ritz wurde im Jahr 1900 in Birkesdorf bei Köln geboren. Nach dem Abitur arbeitete er anfangs in einer Brennerei seiner Familie, beschloss dann jedoch, Künstler zu werden. Er studierte zunächst an der Kunstgewerbeschule Aachen, wechselte anschließend zu den Künstlerbrüdern des Benediktinerordens in Maria Laach.

1920er Jahre

Ritz kam höchstwahrscheinlich in den späten 1920er Jahren im Rahmen einer „Bildungsreise“ nach Palästina, vielleicht um sich hier den Benediktinern der Dormitio Abtei in Jerusalem anzuschließen und Mönch zu werden. Später sah er indes von diesem Vorhaben ab.
 
Dennoch blieb er in Palästina und schuf im Auftrag der Mönche bedeutende kirchliche Kunstwerke in Tiberias, Haifa, Jerusalem und Beit Jamal.

1930er Jahre und später

Ritz kam 1932 erstmals nach Beit Jamal. Hier schmückte Ritz die Apsis, die Gänge und die Decke mit Malereien, kreierte die Rahmen eines St. Stephanus-Zyklus, und schuf Fresken, Sgraffito und Stiche in der Krypta. Viele seiner Werke gestaltete Ritz wie Mosaike.
 
Ritz kehrte 1958 nach Köln zurück, wo er sich zur Ruhe setzte. Er verzierte hier noch die St. Pankratiuskirche in Köln Junkersdorf. Er starb 1971 in Köln.

Historischer Hintergrund Beit Jamal

Beit Jamal ist ein katholisches Kloster in der Nähe der Stadt Beit Schemesch, der „israelischen Toskana“ zwischen Tel Aviv und Jerusalem, unweit des Tals Elah, in dem David Goliath niedergestreckt haben soll.
 
Das Kloster und seine Umgebung gehören dem Orden St Francis de Sales (Salesianer von Don Bosco). Es liegt relativ isoliert auf einer Anhöhe 370m über dem Meeresspiegel. Außer einem Kirchengebäude gibt es hier ein Männer- und ein Frauenkloster der Brüder und Schwestern von Bethlehem.
 
Beit Jamal bedeutet auf Arabisch „Haus des Schönen“ und wurde dem Kloster aufgrund der Aussicht von hier gegeben.
 
Allem Anschein nach befindet es sich an der Stelle des alten jüdischen Dorfes Gamla (Caphargamala), Wohnort des Rabbiners Gamliel, ein Vorsitzender des Sanhedrins.
 
Gamliel spielt in der christlichen Geschichte eine besondere Rolle. Er gilt als Anhänger von St. Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer. Gamliel soll die Gebeine von Stephanus hier beigesetzt haben, bevor er selbst in eben jener Grotte unter der Kirche bestattet wurde.
 
Schon im fünften Jahrhundert wurde hier am vermeintlichen Grab von St. Stephanus eine byzantinische Kirche errichtet. Diese wurde von den Persern im Jahr 614 zerstört.
 
Die Überreste dieser Kirche, darunter Mosaike und das vermeintliche Grab von St. Stephanus, wurden hier 1917 wiederentdeckt. Auf diesen Überresten wurde 1930 eben jene neue Kirche errichtet, die Ritz später schmückte.
 
Im Jahr 2003 wurde hier eine griechische Inschrift gefunden. Diese wurde später wie folgt entziffert: ΔΙΑΚΟΝΙΚΩΝ ΣΤΕΦΑΝΟΥ ΠΡΩΤΟΜΑΡΤΥΡΟΣ, „Diaconicon St. Stephans des Protomärtyrs“. Experten werten dies als Beweis dafür, dass hier tatsächlich die vermeintlichen Überreste St. Stephans aufbewahrt wurden, bis sie entdeckt und nach Rom überführt wurden.
 
Im Hof des Klosters wurde 1919 Israels älteste Wetterstation eingerichtet. Sie ist auch heute noch aktiv.
 
Das Frauenkloster vor Ort wurde 1873 vom lateinischen Patriarchat errichtet. Ab 1878 diente das Gebäude als landwirtschaftliche Schule und Internat für arme oder verwaiste Jungen. In den Jahren 1969-1981 diente es ebenfalls als Schule. Seit 1988 ist hier ein Frauenkloster für Nonnen aus Belgien und Frankreich ansässig, die Keramiken herstellen.

Die Mönche bauen hier Oliven und Wein (Cabernet Sauvignon, Chardonnay und Riesling) für den Weinkeller Cremisan an. Die Olivenhaine sind Jahrhunderte alt. Ferner werden hier Honig und Seifen hergestellt und vor Ort verkauft.
 
Normalerweise, außerhalb der Corona-Pandemie, empfangen die Mönche an vielen Wochenenden Musikliebhaber zu klassischen Konzerten.
 

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