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24. November 2020

Virtuelles Krankenhaus: Demokratisierung von Spitzenmedizin

24. November 2020 | digital.talk NRW

Mitten in der Corona-Pandemie hat das Land Nordrhein-Westfalen ein Pilotprojekt gestartet, das virtuelle Krankenhaus NRW. Darüber haben wir im Rahmen unserer virtuellen Veranstaltungsreihe „digital.talk NRW“ gesprochen.

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Mitten in der Corona-Pandemie hat das Land Nordrhein-Westfalen ein Pilotprojekt gestartet, das virtuelle Krankenhaus NRW. Darüber haben wir im Rahmen unserer virtuellen Veranstaltungsreihe „digital.talk NRW“ gesprochen, und zwar mit Prof. Dr. Gernot Marx, Klinikdirektor für Operative Intensivmedizin der Universitätsklinik RWTH Aachen und Leiter der Vorstufe des Virtuellen Krankenhauses NRW, Dr. Edmund Heller, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, und Lutz Stroppe, Mitglied im Gründungsausschuss des Virtuellen Krankenhauses NRW, früherer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit.

Das Virtuelle Krankenhaus NRW ermöglicht es, ärztliche Expertise aus Universitätskliniken mithilfe von Telekonsilen mit Krankenhäusern der Regelversorgung zu vernetzen. Das Ziel: ortsnahe hochqualitative Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger Nordrhein-Westfalens. Das heißt: Patientinnen und Patienten können auch im Krankenhaus in der Näher bestmöglich versorgt werden. Moderiert hat die Diskussion Martin Roos – Autor und Journalist aus Düsseldorf.

Jeder, der einen Intensivpatienten im näheren Umfeld hat, kennt den Fall – man möchte die bestmögliche Versorgung und zugleich örtliche Nähe, sagte Anja Pfeffermann, Mitarbeiterin der Landesvertretung, in ihrer Begrüßung. Mangelnde Expertise im ortsnahen Krankenhaus ermöglicht jedoch gerade diese Kombination oft nicht. Lutz Stroppe ergänzte die Kapazitätsbegrenzungen von Krankenhäusern: Nicht jeder finde Platz in einer Universitätsklinik. Diese Enge wird durch das Virtuelle Krankenhaus aufgebrochen, es sei „ein Ansatzpunkt, um einen entscheidenden Beitrag zur Demokratisierung von Spitzenmedizin zu leisten“.

Eigentlich wäre das Pilotprojekt Virtuelles Krankenhaus NRW viel später gestartet, erst 2019 hatte die Landesregierung das Projekt überhaupt öffentlich vorgestellt. Doch der Ausbruch der Corona-Pandemie erhöhte den Druck, die Nachfrage nach Expertenkonsilen wurde größer. Covid-19-Patientinnen und -Patienten, die zu Intensivpatienten werden, sind komplizierte Fälle, die fast immer in Universitätskliniken überwiesen werden müssen, so Prof. Marx. Zeit ist dabei ein wichtiger Faktor, daher seien Konsile essenziell geworden. Das Virtuelle Krankenhaus „ist ein Paradebeispiel, wie durch digitale Medizin eine Krisensituation beantwortet werden kann“. Innerhalb von sieben Tagen wurde das Projekt in die Tat umgesetzt, inzwischen sind 87 Krankenhäuser vernetzt, fast 2000 Visiten fanden schon statt. Seit dem 30. März 2020 können Krankenhäuser in NRW per Videokonferenz mit Expertinnen und Experten aus den Unikliniken Aachen, Münster, Essen und Bad Oeynhausen zusammenarbeiten.

Das Virtuelle Krankenhaus umfasst schwere Fälle der Infektiologie, Intensivmedizin, seltene Erkrankungen, Lebermetastasen und Herzinsuffizienz, eine Ausweitung auf weitere Fachgebiete ist geplant. Es sei „etwas quantitativ und qualitativ Neues unter digitalen Bedingungen“, das nun auf Grundlage der gesammelten Erfahrungen in den Regelbetrieb eingebunden werden soll, betonte Staatssekretär Heller. Überzeugt von der Idee und dem Projekt fügte Lutz Stroppe hinzu, dass das Land NRW etwas entwickelt hat, das sich von anderen medizinischen Entwicklungen abhebt, da es „wirklich eine qualitative Verbesserung der Krankenhäuser darstellt“, eine echte Neuheit in der Medizin. Nächste Schritte: Netzaufbau und Konzepte müssen ausgearbeitet und die Finanzierung abgeklärt werden.

Zukunftsvisionen für das Projekt gibt es auch schon. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) soll in Zukunft die erste Auswertung der Patientenakte vorgenommen werden, die KI könne dann die Erkrankung einem Spezialkrankenhaus und Arzt zuordnen. Zurzeit passiert dies noch analog.

Erfolgreiche erste Bilanzen, eine Zukunftsvision und engagierte Verfechter – eigentlich besitzt das Projekt Virtuelles Krankenhaus alle Zutaten zum Erfolg. Doch es bleibt viel zu tun: Digitale Infrastrukturen müssen gebaut werden, Videosysteme installiert und die elektronische Fallakte etabliert werden. Der Zeitpunkt ist jedoch gerade besonders günstig. Durch das Krankenhausfinanzierungsgesetz und Strukturfonds der Länder können im Moment Gelder aus verschiedenen Maßnahmen abgerufen werden. „Wenn Krankenhäuser sich fit machen wollen, haben sie dazu gerade die Möglichkeit“, gibt Lutz Stroppe den Tipp. Eins ist sicher, in der Corona-Krise hat das Virtuelle Krankenhaus gezeigt, was mithilfe von digitaler Vernetzung möglich ist.

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